Engagement für die Schwächsten auf dem Wohnungsmarkt

Anfang März feierte VIWO sein zehnjähriges Bestehen. Der gemeinnützige Verein vermittelt Wohnungen an geflüchtete Menschen – und steht damit auch für gelebte Diakonie der Kirche.

Was bedeutet es, eine eigene Wohnung zu haben? «Mehr als nur ein Dach über dem Kopf», meinte Batoul aus dem Iran und traf mit ihrem Votum direkt ins Herz der Anwesenden. «Es ist ein Ort der Würde, der Stabilität und der Hoffnung.» Im Winterthurer Pfarreizentrum Peter und Paul war man am 4. März zusammengekommen, um das zehnjährige Bestehen von VIWO (Verein Integration durch Wohnen) zu feiern.

Allen Gästen wurde schnell klar: VIWO ist ein Erfolg. Rund 30 Wohnungen vermittelt der Verein pro Jahr an Geflüchtete und das auf einem Markt, der bekannterweise praktisch ausgetrocknet ist.

Zita Haselbach, Gründerin von VIWO, erntete am Abend viel Lob.

Begonnen hat Haselbach mit drei Freiwilligen, heute engagieren sich etwa 20 Personen im Verein, dazu kommen eine professionelle Geschäftsstelle und ein Vorstand. Ursprünglich als «Kind der katholischen Kirche» geboren, wie es Vizepräsident Andres Hürzeler ausdrückte, ist VIWO heute ein Gemeinschaftswerk, zusammen mit den vielen privaten Spendern.

«Eine Wohnung gibt Stabilität»

Luis Varandas, Generalvikar der Bistumsregion Zürich-Glarus und Vertreter einer der wichtigsten Geldgeberinnen, erinnerte daran, dass Flüchtlinge nicht freiwillig in die Schweiz kämen: «Sie haben ihr Land verlassen müssen.» Ihnen wolle man hier eine Heimat bieten. «Eine Wohnung gibt den Menschen die nötige Stabilität, sich auf ein neues Leben einzulassen.»

Luis Varandas (links) zusammen mit Moderatorin Claudia Sedioli und David Hauser am Podium.

Auch David Hauser, Präsident der Stadtsynode der reformierten Kirche Winterthur, betonte die grosse Bereitschaft zum freiwilligen Engagement. «Desillusionierung ist nicht das Metier der Kirchen, wir sind vielmehr zuständig für die Hoffnung.»

Claudia Siegle, Geschäftsführerin von Terresta Immobilien - bekannt für faire Mieten -, kündigte an, die Zusammenarbeit mit VIWO ausbauen zu wollen. Sie gab sich überzeugt: «Eine durchmischte Mieterschaft ist bereichernd.»

«Über solche Projekte reden»

Moderatorin Claudia Sedioli führte souverän durch den Abend. In der Fragerunde bemerkte eine ältere Frau: «Die beiden Landeskirchen tragen VIWO gemeinsam, für Menschen, die selten katholisch oder reformiert sind. Über solche Projekte sollte man häufiger sprechen.»

Hans Hollenstein, Präsident der Kirchenpflege Winterthur, würdigt den Verein und dessen Gründerin Zita Haselbach.

VIWO-Präsidentin Zita Haselbach griff den Gedanken auf und äusserte den Wunsch, dass der Verein künftig nicht nur interkulturell, sondern auch interreligiös geprägt sein möge. Hans Hollenstein, Präsident der katholischen Kirchenpflege Winterthur und Vertreter des institutionellen Patronats des Vereins, würdigte VIWO als unternehmerische Pionierleistung von ein paar beherzten Menschen, «allen voran Zita Haselbach».

Aktuell verwaltet der Verein VIWO 52 Wohnungen in der Stadt Winterthur, in den zehn Jahren seines Bestehens hat er rund 300 Wohnungen an Flüchtlinge vermittelt. Ende 2025 standen 126 Klientinnen und Klienten auf der Warteliste. 830 Stunden haben Freiwillige und 1000 Stunden der Vorstand 2025 ehrenamtlich geleistet. Finanziell beteiligt sich die Katholische Kirche im Kanton Zürich mit einem jährliche Beitrag von 50000 Franken; die katholische Kirche Winterthur sowie die reformierte Kirche Winterthur zahlen je 15000; die Stadt Winterthur 10000. Private Spenden machten 2025 rund 22000 Franken aus. Dazu kommen Beiträge von Klöstern (Kapuziner), Stiftungen, der Glückskette und Erbschaften.
Mehr Infos unter viwo.ch