Was haben Sie als Tierpfleger über Tiere gelernt?
Dass Tiere Menschen unglaublich gut lesen können. Während wir Menschen die Gabe, die Natur intuitiv zu verstehen, immer mehr verloren haben.
Wie fliesst diese Erkenntnis in Ihre Arbeit als Zoodirektor ein?
Indem ich die Gefahr kenne, dass wir Tieren, bei denen wir diese Ga-be nicht erkennen, einen tieferen Wert beimessen und sie in der Tendenz schlechter halten. Der Gorilla ist nicht mehr wert als eine Mücke.
Essen Sie Tiere?
Ja.
Warum?
Weil Fleisch gut schmeckt. Der Grund ist wohl Willensschwäche. Aus ökologischer Perspektive ist es sicherlich wenig sinnvoll, Fleisch zu essen. Aber da gilt bei mir leider wohl: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
Welches ist das grösste Vorurteil gegenüber Zoos?
Dass sie Tiere aus kommerziellem Interesse halten. Ein guter Zoo, und das sind die meisten in Europa, hat den Fokus auf vier Bereichen: Edukation, Forschung, Artenschutz und Naturschutz.
Lohnt es sich, Arten zu erhalten, wenn ihre Lebensräume verschwinden?
Wenn ihr Lebensraum verschwunden ist, dann nicht. Aber das Verschwinden kann man aufhalten. Darum unterhalten wir den Masoala-Regenwald im Zoo und unterstützen den gleichnamigen Nationalpark auf Madagaskar. Das handhaben wir mit all unseren Lebensräumen so.
Wie sieht der Zoo in 50 Jahren aus?
In einer idealen Welt gibt es keinen Zoo mehr. In der Realität wird es sie 2076 dringender denn je brauchen, weil es dann viele Tierarten gibt, die nur noch in Zoos leben.
Wollen Tiere frei sein?
Nein. Freiheit ist ein menschliches Konstrukt. Tiere haben Bedürfnisse. Sind diese erfüllt, sind sie zufrieden. Unsere Pfauen leben seit Jahrzehnten frei in unserem Zoo. Sie bleiben da, weil sie alles haben, was sie brauchen.
Kommen Tiere in den Himmel?
Ja. Warum sollten Tiere keine Seele haben?