Lachen hallt durch das Pfarreizentrum. Kinder rennen die Treppen hoch und runter, irgendwo wird laut gezählt, an anderer Stelle fiebern Gruppen mit ihren Teamkolleginnen und -kollegen mit. Es ist Mini-Tag. Das Programm läuft unter dem Motto «Gemeinschaft, Spiel & Glauben» – und genau das ist an diesem Tag überall spürbar: eine lebendige und starke «Mini»-Kirche, wo Kinder und Jugendliche nicht nur dabei sind – sondern mittendrin.
Zwischen 50 und 70 Ministrantinnen und Ministranten nehmen jedes Jahr am Mini-Tag teil, der bereits zum vierten Mal in der Pfarrei Herz Jesu Wiedikon stattfindet. Das Besondere: Er wird von Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst mitgestaltet. Zehn freiwillige Leiterinnen und Leiter im Alter von 14 bis 25 Jahren haben den diesjährigen Tag vorbereitet, geplant und begleitet.
Manuela Matt
Bei der Mini-Challenge sammeln die Kinder an verschiedenen Posten Punkte. Zwar gibt es am Ende einen goldenen Pokal, doch im Mittelpunkt steht vor allem eines: Spass haben. Benjamin (14) leitet mit Tiago und Quirin den Posten «Schnitzeljagd». Zwischen dem zweiten und dritten Stock des Pfarreizentrums sind kleine Zettel versteckt – jeder mit einem Buchstaben und einer Zahl. Begonnen hat der Minitag um 14 Uhr mit einem Gottesdienst. Später gibt es einen gemeinsamen Znacht, dann folgt die «Movie Night». Für Benjamin ist es bereits das zweite Jahr als Hilfsleiter. Als Ministrant ist er sogar schon seit fünf Jahren dabei. Verantwortung übernehmen, Vorbild sein und gleichzeitig Teil der Gruppe bleiben – genau das macht für viele ältere Minis den Reiz dieses Tages aus. Tiago (13) ist seit sechs Jahren dabei und ministriert regelmässig in Herz Jesu Wiedikon, gelegentlich auch bei portugiesischen Gottesdiensten in Felix und Regula. Er schätzt zudem die Gemeinschaft: die monatlichen Treffen der Mini-Gruppe, Ausflüge und gemeinsames Spielen. Rosika (18) ist seit neun Jahren Ministrantin. Besonders wichtig ist für sie die Möglichkeit, im Gottesdienst wirklich mitzuwirken: «Man darf mitgestalten – und hat eine Stimme.»
Nicht nur Gemeinschaftssinn wächst im Dienst am Altar. Das weiss Helenzy Philip, die als Kind selbst ministriert hat und heute Gruppenleiterin und Katechetin ist. «Am Anfang hatte ich Mühe, vor allen Leuten zu stehen», erinnert sie sich. «Aber wenn alles gut läuft, ist man einfach stolz.» Als Oberministrantin übernahm sie später Verantwortung – Erfahrungen, die ihr bis heute im Berufsleben helfen. «Das sind klassische Soft Skills», sagt Michael Nestler, Religionspädagoge von Herz Jesu. «Die älteren Jugendlichen lernen, zu begleiten, anzuleiten und sich zu trauen, Fehler zu machen.» Ziel sei es, Talente zu entdecken und dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden – etwa bei Technik, Musik oder Organisation.