Die Zwölf

Zwölf rebellische Nonnen

Im österreichischen Kloster Goldenstein pochen Nonnen auf ihre Eigenständigkeit. Kein neues Phänomen.

1. Teresa von Avila
Sie litt im Kloster 25 Jahre unter der Verwässerung der Ideale und der spirituellen Oberflächlichkeit. Bis ihr endlich erlaubt wurde, einen Reformorden zu gründen.
— 1515 bis 1582 in Spanien

2. Doris Reisinger
Sie trat kurz nach ihrem Abitur in «Das Werk» ein und wurde im Orden missbraucht und vergewaltigt. Seit ihrem Austritt setzt sie sich für Aufklärung und Prävention von physischem und geistlichem Missbrauch in der katholischen Kirche ein.
—geboren 1983 in Deutschland 

3. Corita Kent
Gemeinsam mit der Mehrzahl ihrer Mitschwestern wehrte sich die angesehene Pop-Art-Künstlerin gegen den Machtmissbrauch durch den zuständigen Bischof. Sie trat schliesslich aus. Ihre Mitschwestern gründeten eine ökumenische Gemeinschaft.
—1918 bis 1986 in den USA

4. Isabella Leonarda
Sie konnte im Ursulinenkloster von Novarese zwar ihrer Leidenschaft frönen: Musizieren und Komponieren. Aussergewöhnlich ist jedoch, wie selbstbewusst sie ihre Kompositionen in die Öffentlichkeit trug. Sie ist wahrscheinlich die erste Frau, deren Werke gedruckt wurden.
—1620 bis 1704 in Italien

5. Birgitta von Schweden
28 Jahre verheiratet, acht Kinder – aber erst nach dem Tod ihres Mannes konnte sie ihrer eigentlichen Berufung folgen: Sie wurde Ordensgründerin und einflussreiche Beraterin von Fürsten und Päpsten.
—1303 bis 1373 in Schweden

6. Tisa von der Schulenburg
Ein atemberaubend vielfältiges Leben in Stichworten: Aus dem Hochadel stammend, Kunststudentin an der Berliner Akademie, aktiv im Widerstand gegen die Nazis, Übertritt zur katholischen Kirche und Eintritt in ein Ursulinenkloster, Künstlerin und Aktivistin für die Rechte der Arbeiterschaft.
—1903 bis 2001 in Deutschland

7. Anna Dürrin
Die Dominikanerin konnte sich mit den aufgezwungenen Reformen in ihrem Kloster nicht anfreunden, vor allem nicht mit der strikten Klausur, die Kontakte zur Aussenwelt verunmöglichte. Während einer Messe floh sie über die Klostermauer.
—15. Jahrhundert in Deutschland

8. Helen Prejean
Berühmt wurde die ausgebildete Lehrerin der St.-Josephs-Schwestern als unermüdliche Aktivistin gegen die Todesstrafe. Ihr Erfahrungsbericht «Dead Man Walking» wurde sehr erfolgreich verfilmt.
—geboren 1939 in den USA

9. Katharina von Siena
Im Haus ihrer Eltern lebte sie als «unabhängige» Dominikanerin, äusserte sich öffentlich zu politischen Fragen und scheute sich nicht, selbst den Papst heftig zu kritisieren.
—1347 bis 1380 in Italien

10. Dianna Ortiz
Die Ursulinen-Schwester engagierte sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung in Guatemala, wurde selbst zum Folteropfer des Regimes und gründete danach Organisationen für Folteropfer und gegen Folter.
—1958 bis 2021 in den USA

11. Marie Ward
Sie wollte nach dem Vorbild der Jesuiten eine Frauengemeinschaft ohne Klausur gründen. Das war für den Papst undenkbar, zeitlebens erhielt sie keine Bestätigung. Erst 1877 wurde ihr Orden anerkannt.
—1585 bis 1645 in England

12. Hildegard von Bingen
Sie stritt mit dem Abt ihres Konvents, weil sie Essensvorschriften lockerte und Gebetszeiten kürzte. Erst Jahre später konnte sie auf dem Rupertsberg ein Kloster nach ihren Vorstellungen gründen. Dennoch blieb die selbstbewusste Adelige streitbar.
—1098 bis 1179 in Deutschland