Kino unter Leuten

«Mother – die Frau hinter der Ikone»

Teresa ist 37 Jahre alt und führt das Kloster der Loretoschwestern in Kalkutta mit strenger Hand. Selbst die geschenkte Rechenmaschine muss eine Schwester mit Namen «Nummer zwei» wieder zurückgeben. «Du hast doch ein Hirn!», weist die Mutter Oberin ihre Mitschwester zurecht. Sie mit Ziffern anzusprechen ist auch so eine Idee der Frau, die später als Mutter Teresa weltbekannt werden wird.

Teresa ist streng, hält aber ihre Regeln auch selbst ein. Sie ist enthaltsam, hilfsbereit, aufopfernd. Das Elend der vielen kranken Menschen in Kalkutta bewegt sie so sehr, dass sie es hinter den Klostermauern nicht mehr aushält und sich von Jesus persönlich gerufen fühlt, den Versehrten zu helfen. Sie schreibt wiederholt Gesuche an den Vatikan, damit sie das Kloster verlassen, einen neuen Orden gründen und als Missionarin der Nächstenliebe mit den Ärmsten der Armen leben kann.

Sieben Tage bilden den zeitlichen Rahmen des Filmes von Teona Strugar Mitevska. Wie Mutter Teresa ist auch sie Albanerin und in Nordmazedonien aufgewachsen. Ihrem Blick verdankt es die Protagonistin des Filmes, dass ihr Bild facettenreich und jenseits einer idealisierten Heiligenfigur gezeichnet ist. «Was ist Heiligkeit anderes als Handeln», sagt die Regisseurin in einem Interview.

Teresa schöpft mit ihrer Charakterstärke, ihrer Energie und ihrem Suchen nach Heiligkeit das Frauenmögliche ihrer Zeit aus. Sie teilt aus, kann aber auch viel einstecken. Als Schwester Agnieszka, ihre einzige Verbündete im Kloster,  strauchelt, reagiert Teresa gnadenlos. Irritiert von ihrer eigenen emotionalen Härte beginnt sie an ihrer Motivation zu zweifeln, einen Orden zu gründen.

«Mother – die Frau hinter der Ikone» ist ein Film über die Nonne, die als Mutter Teresa im Jahr 2016 von Papst Franziskus heiliggesprochen wurde. Die Kamera ist ihr immer dicht auf den Fersen und nah am Geschehen. Als ob die Antworten auf die vielen Fragen, die Mutter Teresa in ihrem langen Leben mit ihrem Schaffen und ihren Äusserungen aufgeworfen hat, in ihren Gesichtszügen zu finden seien.

— «Mother – die Frau hinter der Ikone» von Teona Strugar Mitevska / Nordmazedonien 2025
Noomi Rapace, Sylvia Hoeks, Nikola Ristanovski / ab 29. Januar im Kino

Lust mit uns zusammen den Film des Monats «Mother – die Frau hinter der Ikone» anzuschauen?
Wir gehen am Dienstag, 3. Februar in die Vorstellung um 18:20 Uhr im RiffRaff.
Die Eintrittskarte besorgen sich alle individuell. Hier gehts zum Online-Ticketverkauf.
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