Zürich regional

Gemeinsam gamen – in der Kirche

Die Schiebewand zwischen der Kirche und dem Pfarreisaal wird zur Seite geschoben, und schon verwandelt sich der Nebenraum in einen Gaming-Saal: einige Tische mit Snacks, Wasser und Sirup, während in Sichtweite Altar und Kirchenbänke an ihrem Platz bleiben. Gaming ist längst Bestandteil des Alltags von Kindern, Jugendlichen und vielen Erwachsenen. Nun findet es – im Rahmen eines betreuten Angebots – sogar im Kirchenraum von St. Georg statt. Bei Super Smash Bros. Ultimate, Unravel Two, Rocket League und weiteren Videogames wird hier an Konsolen wie Xbox, Nintendo Switch, Wii oder alten Retro-Geräten gespielt.

«Sehr cool!», «Mega!», «Warte, ich bin in der Badewanne gelandet … du auch?» Joel spielt gerade mit – oder vielleicht gegen – zwei Kolleginnen. Für die drei ist das Gaming in der Kirche nicht nur deshalb spannend, weil sie neue Spiele ausprobieren oder länger spielen dürfen als zu Hause, sondern auch – wie die 11-jährige Livia sagt –, weil «man andere Kinder kennenlernen kann». Währenddessen sitzen Jori und Leon vertieft in Unravel Two. In der fantasievollen Welt dieser Puzzle-Plattform müssen sie gemeinsam Aufgaben lösen. «Es ist einfach lustig – und mega gut, um im Team zu spielen», sagen sie. Manche Eltern bekommen am Abend ihre Kinder kaum mehr aus der Kirche heraus – freuen sich aber an der entspannten Atmosphäre, in der die Kids gemeinsam gamen.

Beim ersten Gaming-Nachmittag erklärt Gemeindeleiter Jürgen Kaesler den Eltern das Konzept hinter dem Anlass: gemeinsam spielen, Freude teilen und Gemeinschaft erleben – ganz in der Haltung Jesu, der Kindern ernst nahm. «In Gesprächen rund ums Spielen lassen sich christliche Werte wie Fairness, Verantwortung, Mitgefühl oder Vergebung thematisieren – ganz ohne erhobenen Zeigefinger.» Gleichzeitig will Kaesler aber auch die Nachteile und Herausforderungen des Gaming offen ansprechen, etwa Gewalt, exzessiven Medienkonsum - und die Mühe der Erziehenden, das richtige Mass vorzugeben. Aus diesem Grund werden die Spiele sorgfältig ausgewählt und installiert. Diese Aufgabe übernimmt Dominik Goldmann, der seit etwas mehr als einem Jahr Sekretär in St. Georg ist und zuvor Game Art & 3D Animation studiert hat.. Am wichtigsten sei ihm, dass die Spiele Kooperation fördern und «richtig gute Geschichten» erzählen. Der 24-Jährige habe schon immer gezockt. «Aber ich habe Verpflichtungen stets als Priorität betrachtet und Gamen klar der Freizeit zugeordnet.»