«Steh auf, wenn du am Boden bist … es wird schon irgendwie weitergehen», singen die Toten Hosen. Ich persönlich bewundere Menschen, die nach den schwersten Schicksalsschlägen wieder aufstehen. Eine psychische Erkrankung, eine unversöhnliche Trennung, ein Schlaganfall: Vieles kann einen zu Boden bringen. Wieder aufzustehen und weiterzugehen, braucht die Kraft der Resilienz. Glücklich, wer sie in sich trägt oder rechtzeitig gestärkt hat.
Wie Studien zeigen, sollen glaubende Menschen dabei tendenziell im Vorteil sein. Wer eine religiöse oder spirituelle Überzeugung hat, dem fällt es durchschnittlich leichter, in Krisen Sinn zu finden, Hoffnung zu wahren, sich akzeptiert zu fühlen und mit anderen in Kontakt zu bleiben – allesamt Faktoren, die Resilienz wachsen lassen.
Dazu passt, dass die Evangelien voll sind mit Geschichten von Resilienz: Jesus Christus heilt Gelähmte, erweckt Tote zum Leben und steht an Ostern selbst wieder aus dem Grab auf. Es geht weiter, und zwar nicht nur irgendwie, sondern auf gute Weise. Ist Resilienz also nur eine Frage des richtigen Glaubens? Nein. Christlicher Glaube und Spiritualität sind weder ein Automatismus noch Allheilmittel. Ich kann mich um sie bemühen und sie pflegen – aber gleichzeitig bleiben sie ein Stück weit unverfügbar. Mein Glaube kann mich aufrichten und mir Sternstunden bescheren. Er kann aber auch selbst zu Boden gehen und mich mit sich ziehen: Wenn das erwachsene Ich spürt, dass kindliche Gebete nicht helfen; wenn fremdes oder eigenes Leid die Zweifel nährt, ob Gott überhaupt existiert; wenn überlieferte Gottesbilder hohl klingen und keine Resonanz mehr wecken. Was dann?
Dann ist eine Spiritualität gefragt, die selbst resilient ist. Die die Krisen als Wegweiser des persönlichen Glaubensweges versteht. Die sich mit anderen verbindet, die die gleichen Fragen haben. Und die jede Untiefe als Chance nutzt, selbst noch weiter in die Tiefe zu gehen – wie eine Wurzel, die im Dunkeln wächst, bis sie das Grundwasser erreicht. Dann fällt auch das Aufstehen wieder leichter.