Mag sein, das uns europäischen Leserinnen und Lesern beim Land Nigeria zunächst problematisches in den Sinn kommt: die Terrorgruppe «Boko Haram» beispielsweise oder Gewalt gegen Christinnen und Christen. Nadia Brechbühl aus Rüti ist im ökumenischen Team zur Vorbereitung des Weltgebetstages, der am Freitag, 6. März weltweit begangen wird. Durch die Unterlagen hat sie sich bereits mit dem Land auseinandergesetzt: «In Nigeria tobt ein ähnlicher Konflikt wie in Palästina-Israel, nur hören wir kaum davon. Demgegenüber fühlen wir uns hier wie dort ohnmächtig. Dank der Materialien der Frauen aus Nigeria zum Weltgebetstag können wir uns vertieft damit auseinander setzen. Wir lernen das Land aber auch von einer anderen Seite kennen, von innen sozusagen. Seine Sorgen und Tragödien, aber auch den Mut und die Kraft von Frauen, die aus dem Glauben heraus handeln und an eine Zukunft glauben.» Dieses Wissen über ein weithin unbekanntes Land, aber auch die Lebensfreude, Farben, Lieder und Tänze, wollen sie und ihr Team am Weltgebetstag weitergeben. So wie die rund 600 weiteren Vorbereitungsgruppen in der Schweiz, einige davon auch im Kanton Zürich.
Frauen mit den in Nigeria typischen Kopftüchern, die «Gele» genannt werden.
Linda Adiele, Weltgebetstag
Zum Gottesdienst am Weltgebetstag gehört immer eine ausführliche Information über das Land, das die Liturgie vorbereitet hat. Nadia Brechbühl: «Einige Frauen aus den jeweiligen Vorbereitungteams gehen dazu an die Schulungen, welche das Weltgebetstags-Komitee der Schweiz jährlich durchführt.» Dazu gibt es umfangreiche Materialien, welche die Frauen durcharbeiten. «So haben wir erfahren, dass Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist. Und dass es neben den drei grössten Gruppen 250 kleinere ethnische Gemeinschaften gibt und über 500 indigene Sprachen», sagt die freiwillig Engagierte nicht ohne Staunen. Auch gebe es viele Glaubensrichtungen und Riten. Seit der Kolonialzeit sei das Christentum verbreitet, im Norden hingegen vor allem der Islam. «Wir hören von den Konflikten zwischen Islam und Christentum. Aber es gibt auch Regionen, wo die beiden Religionen friedlich zusammen leben.»
An der ersten Sitzung im Januar tragen die Vorbereitungsteams alle Informationen zusammen, erstellen daraus eine Präsentation, suchen Rezepte aus Nigeria für den anschliessenden Imbiss und machen sich Gedanken zur Dekoration. Denn Weltgebetstags-Feiern werden mit allen Sinnen erlebt: «Bei den Liedern sind wir dieses Jahr rhythmisch ziemlich gefordert», schmunzelt Nadia Brechbühl. Die Kollekte der Feiern kommt sozialen Projekten in Nigeria zugute, die dann ebenfalls vorgestellt werden.
«Die weltweite Verbundenheit berührt mich jedes Mal.»
Die Motivation für Nadja Brechbühl, den Weltgebetstag vor Ort vorzubereiten, ist klar: «Hier bekommen jedes Jahr Frauen aus einem anderen Teil der Welt eine Stimme. Die weltweite Verbundenheit berührt mich jedes Mal. Denn überall auf der Welt, zu jeder Stunde des Tages an einem anderen Ort, wird die gleiche Liturgie mit den Stimmen der gleichen Frauen gefeiert. Das ist eine grosse Kraft.» Wie es das Motto des diesjährigen Weltgebetstags sagt: «Ich will euch stärken, kommt!»
90 Jahre Weltgebetstag in der Schweiz
2026 feiert der Weltgebetstag in der Schweiz 90. Geburtstag. Auf der Website stellt sich die Bewegung so vor: «Der Weltgebetstag Schweiz ist Teil einer weltweiten Bewegung von Frauen aus vielen christlichen Traditionen. Jedes Jahr am ersten Freitag im März laden sie alle zum Feiern eines gemeinsamen Gebetstages ein. Durch die Gemeinschaft im Beten und Handeln sind die Menschen aus vielen Ländern auf der ganzen Welt miteinander verbunden.» Der allererste Weltgebetstag wurde 1927 in den Vereinigten Staaten von Amerika gefeiert.
Wo kann ich den Weltgebetstag 2026 mitfeiern und mehr über Nigeria erfahren? Pfarreien im ganzen Kanton Zürich feiern die Liturgie und laden zu Austausch und Begegnung ein.