Die Zwölf

Zwölf erste Male

Lange ersehnt – selten grossartig – häufig enttäuschend – immer ganz anders als gedacht.

1. Liebe
Ein grosses Wort, sagt man in späteren Jahren gern. Ob es hier den Moment des ersten Males überhaupt gibt? Denn wenn, dann wächst sie wie ein Grashalm. Braucht Zeit. Wahrscheinlich auch den Winter. Glücklich, wer sie nicht übersieht.

2. «Das erste Mal»
Vom ersten eigenen Sex erzählen – gar nicht so leicht. Deswegen wird diese Erfahrung oft einfach mit diesen drei Worten umschrieben. So oder so ein Moment, an den die meisten eine Erinnerung haben.

3. Das erste Gehalt
Der Inbegriff von Freiheit: Geld auf dem eigenen Konto, in gefühlt rauen Mengen. Bis etwa 1960 noch bar auf die Hand. Die Überweisung hat vieles leichter gemacht, nicht aber die Verantwortung. 

4. Der erste Schritt
Steht für Aneignung und für Initiative: Ich nehme Raum ein. Indem ich meinen Fuss an einen bestimmten Ort setze. Indem ich den Zugang zu etwas eröffne, das angesprochen oder gemacht werden soll. Wer den ersten Schritt setzt, macht sich damit oft sichtbar. Und kann dafür den Titel der Pionierin erringen.

5. Das erste Wort
Manchmal verrät es überraschend viel. Sprechen Kinder ihr erstes, ist es wie ein Wunder. Laut der Bibel haben Worte nämlich Schöpfer­-kraft. Sie zerstören aber auch. Und ist erst einmal eines gesprochen, kommt man schwer dahinter zurück.

6. Verstehen
Ob einen bestimmten Zusammenhang oder einen anderen Menschen: Der «Aha-Moment» bringt uns weiter. Perspektiven eröffnen sich, die bislang schier unvorstellbar waren. Für viele erste Male müssen die Ohren gespitzt, das Herz offen und das Hirn fit bleiben.

7. Erstkommunion
Zunächst war die erste Kommunion für Erwachsene bestimmt, die sich taufen liessen. Für Kinder feiert die Kirche ein Fest, zu dem die liebsten und engsten Menschen zusammenkommen: Das Bewusstsein, dass Jesus nahe ist, stiftet Gemeinschaft – und ist eine Freude wert.

8. Stille
Wer hat sie schon einmal wahrgenommen? Wirklich gehört? So flüchtig sie ist, so raumfüllend kann sie sein. Vielleicht steht sie am Ursprung von allem? Vielleicht beginnt mit ihr immer wieder alles neu? Mit Langeweile verwechselt sie nur, wer sie noch nie erlebt hat. 

9. Langeweile
Völlig unterschätzt, völlig verdrängt. Deswegen kennen sie viele bis ins hohe Alter eigentlich gar nicht. Beim ersten Mal erschliesst sich ihr Potenzial wahrscheinlich nicht. Es braucht schon etwas Übung.

10. In einem ganz anderen Zustand
Tauchen und unter Wasser schweben, fallen und die Fallschirmleine ziehen: Es gibt immer wieder Erfahrungsräume, die einem ganz neu sind. Neues Körpergefühl und neue Möglichkeiten inbegriffen. Denn
die Welt ist eine grosse Spielwiese.

11. Ein weisses Haar
Routineblick in den Spiegel. Moment. Näher ran. Echt jetzt? Belustigung. Oder der ultimative Schockmoment. Jedenfalls ist das erste weisse Haar eine Botschaft. Nur welche genau?

12. Etwas tun, was man nicht darf
Meist verbunden mit einem furchtbaren Gefühl, diesem schlechten Gewissen. Hoffentlich kommt es nicht nur beim ersten Mal. Wobei die Erfahrung, eine Grenze zu überschreiten, auch lehrreich sein kann.