Zürich regional

Viel Stadt in wenigen Schritten – und in Stille

«Stille in einer Gruppe trägt anders als Stille allein.» Aus dieser Erfahrung heraus entstand das Festival «Stilles Zürich» – mit stillen Spaziergängen durch die Stadt.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde beginnt der medi­tative Spaziergang in Stille, unterbrochen von Momenten mit kurzen Impulsen. Es sind Gedanken, die zu einem inneren Dialog in der folgenden Stille anregen. Der erste solche Halt beim Spaziergang vom 9. November durch den Zürcher Kreis 3 war der jüdische Friedhof. Zwischen alten Bäumen erzählte Tanja Gentina, Mitbegründerin des Projektes «Stilles Zürich», von jüdischen Bestattungsriten und dem Brauch, kleine Steinchen auf die Gräber zu legen, zum Zeichen, dass man an die Verstorbenen denkt. Nur wenige Schritte später steht die Gruppe in einer anderen Welt: einer Familiensiedlung mit Reihenhäusern, vollgestellten Gärten und spielenden Kindern. Über einen kleinen Pfad mit Weiher und Schilf geht es weiter zum Industriequartier Binz, dominiert von Beton, Bürofenstern und leeren Räumen. An der Endhaltestelle «Binz Center» folgt ein Meditationsimpuls zum Thema Warten. In den nur kurzen Minuten der Meditation zerschneidet ein Motorrad plötzlich die Ruhe. Dieses Alltagsgeräusch wirkt plötzlich scharf, als hätte die Stadt kurz die Lautstärke erhöht. 

Dann führt der Weg bergauf nach Alt-Wiedikon. Graue Zweckbauten weichen Altstadthäusern mit verzierten Fassaden und einem Panoramablick auf Zürich. Im Stadtkloster Zürich klingt der Spaziergang bei Tee und anregenden Gesprächen aus.

Der Selbstversuch zeigt: Erstaunlich, wie viele Versionen einer Stadt in so wenige Schritte passen, wenn man die Umgebung bewusst wahrnimmt. Und erstaunlich, wie schnell man sich als Gruppe fühlt – ganz ohne Smalltalk.Tanja Gentina ist aus dieser Erfahrung heraus von Anfang an Mitträgerin des Projektes «Stilles Zürich»: «Stille in einer Gruppe trägt anders als Stille allein», sagt sie. Sie habe in der Stille einen grossen Schatz gefunden, den sie nun gerne mit anderen teilen möchte. Mit ihrem Herzensprojekt möchte sie Berührungsängste mit der Stille nehmen und diese als festen Bestandteil im Alltag der Teilnehmenden vorschlagen. Die Idee des Festivals «Stilles Zürich» ist daher auch, verschiedene Möglichkeiten zum Einsteigen oder Erkunden von Stille-Momenten zu bieten. Im Hinblick auf das Festival im kommenden Februar freut sie sich besonders auf «Gut’Nacht» in der Wasserkirche, eine Veranstaltung mit einer Geschichtenerzählerin und Schlafliedern, sowie auf die Podiumsdiskussion in der Paulus Akademie zu Stille und Gesundheit mit einem Neurowissenschaftler. 

— Festival Stilles Zürich 

Mittwoch, 25.2., bis Sonntag, 1.3.2026

Workshops, Meditationen, Gespräche und Veranstaltungen laden zu Begegnungen mit der Stille ein.

www.stilles-zuerich.ch