Zürich regional

«Leben heisst lernen»

Ob in England, China oder Israel wohnhaft, als Primarlehrerin, Institutsleiterin oder heute Rektorin an der Katholischen Schule: Ursula Stadler sieht jede Lebens­etappe als spannendes Lernumfeld.

«Man muss Menschen mögen»: diese «vier m» sind Ursula Stadlers Lebensantrieb – verbunden mit einer guten Portion Neugier. Dies führt sie nach der Matura in einen Sozialeinsatz der evangelischen Waldenser-Gemeinschaft in Sizilien und motiviert sie dann zur Primarlehrer-Ausbildung. Später bleibt sie während einer Weltreise in Asien hängen, wo sie Chinesisch lernt und Deutsch unterrichtet. Es folgt die Ausbildung bei einer NGO in London, um zwei Jahre lang als Schulprojektleiterin in einem Dorf in Pakistan zu arbeiten – dazwischen schiebt sie eine Sekretariatsausbildung in Lausanne ein. Mit 28 Jahren beginnt sie ein Studium in Allgemeiner Sprachwissenschaft, Sinologie und Germanistik in Zürich, Genf und China. Mit der Familie lebt sie einige Jahre in Oxford und kurz in Israel, um dann in Winterthur sesshaft zu werden. Es folgen 15 Berufsjahre an der ZHAW – Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften –, wo sie nach einigen Jahren die Co-Leitung eines Instituts wahrnimmt und dort für einen Lehrgang das Modul «Schriften, Gesellschaft, Religion» entwickelt. «Religion ist in unserer Zeit ein entscheidender Faktor, es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen», betont sie. «Bei aller Kritik gegenüber den Kirchen: Sie transportieren extrem wichtige Grundwerte und leisten so viel gutes soziales Engagement. Meine Lieblingssteuer ist die Kirchensteuer!»

Seit bald zwei Jahren ist sie nun Rektorin im Schulhaus Kreuzbühl der Freien Katholischen Schulen Zürich. Wie alle vorhergehenden Lebensetappen, inklusive herausfordernder Zeiten, so ist auch diese Arbeit für sie ein Lernfeld: «Wo stosse ich an, wo kann ich noch reifen? Hier gibt es tausend Gelegenheiten: Konflikte, Kritik, Lob, unerwartete Lösungen …» Da sind Gelassenheit und Lebenserfahrung –auch durch die Erziehung der eigenen drei Kinder – hilfreich. Ihre «vier m» ergänzt sie heute: «Man muss Menschen mögen … und ihnen dienen». Daher hat sie als neue Rektorin zuerst hingehört und beobachtet, um dann gemeinsam mit ihrem «tollen Team», wie sie sagt, die Schule weiterzuentwickeln. Etwas findet sie besonders wichtig: «Bei uns geben alle Jugendlichen am Morgen die Handys ab und bekommen sie erst wieder auf den Heimweg. Das hilft ihnen, im Hier und Jetzt miteinander in Kontakt zu kommen. Nun wird in den Pausen wieder miteinander geredet und gespielt, in anderen Schulen schauen die Jugendlichen oft nur in ihr Gerät.» Denn miteinander im Kontakt sein – das sei wesentlich für jegliche Entwicklung.