360 Grad

Kopten, eine Ikonostase und die erste Kirchenumnutzung

Vom Kirchturm raus in die Welt: Ein Blick rund um die Kirche Hl. Maria und Hl. Verena in Grafstal.

In Grafstal steht die bislang einzige Kirche im Kanton Zürich, die zuvor eine römisch-katholische war und nun von Christinnen und Christen einer anderen Konfession genutzt wird: von der koptisch-orthodoxen Gemeinde. Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen, weil es im Kanton Zürich erst eine einzige Kirchenumnutzung dieser Art gibt – in anderen Kantonen, vor allem aber in anderen Ländern ist dies bereits alltäglicher. Zum zweiten, weil uns die Frage nach der Um- und Weiternutzung von Kirchenräumen auch hier zunehmend beschäftigen könnte. 

Mittendrin, in den kleinen Winkelzügen der Grafstaler Dorfstrassen liegt beschaulich das Kirchlein, Einfamilienhäuser rundherum, gepflegte Gärten. Oberhalb der Kirche wird gerade neu gebaut, Mehrfamilienhäuser entstehen, direkt neben einem Schulhaus. Die Autobahn ist vom Kirchturm aus weder sicht- noch hörbar, geschickt verläuft sie hinter einem Waldstück. Grafstal liegt an der Hauptverkehrsachse zwischen Winterthur und Zürich, was den grünen Frieden zwischen Kempttal und Glattal nicht zu stören scheint. 

Pater Isidoroc St. Samuel tut es, wie es seine Kirchenmitglieder tun: Er reist für die Gottesdienste extra zur Kirche an, in seinem Fall aus dem Kloster Einsiedeln. Hier lebt der koptisch-orthodoxe Mönch, der ursprünglich zum Kloster des heiligen Samuel im ägyptischen Bani Suwaif gehört. «Kopte» leitet sich vom griechischen «Aigyptos» ab. 126 Familien gehören laut Pater Isidoroc zur Gemeinde hier, sie leben verstreut über die Deutschschweiz, die Mehrheit aber in Zürich. Kontakte pflegen sie vor allem zur Pfarrei St. Martin in Illnau-Effretikon: ihrer Kirchenstiftung gehörte das Kirchlein einst. Nun besucht man sich, lässt sich die schöne Ikonostase zeigen und lernt, was uns verbindet zwischen den Konfessionen.

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