Zürich regional

«Junge Menschen sind stark belastet»

Michèle Wenger, Foyerleiterin der Mittelschulseelsorge

Unsere jungen Leute sind verunsichert: Politische Weltlage, Kriege und ökologische Krise zeichnen keine hoffnungsvolle Zukunft. Die Corona-Zeit hat diese Generation zusätzlich belastet. Dazu kommt, dass unsere Gesellschaft, verstärkt durch Social Media, den Jungen tausend Möglichkeiten vorstellt. Diese Überforderung lässt sie innerlich «gefrieren». Sie kommen nicht ins eigenständige Handeln, erfahren kaum Selbstwirksamkeit. Druck von allen Seiten, von ihnen selbst, von Eltern, der Schule, verstärkt das Problem. Wir von der ökumenischen Mittelschularbeit können ganz niederschwellig Beratung und Begleitung anbieten. Wir haben in fast allen Zürcher Mittelschulen ein «Foyer», wo die Jungen anklopfen können, Hier  finden auch gemeinschaftliche Aktivitäten statt. Da wir im Langgymnasium das obligatorische Fach «Religionen, Kulturen, Ethik» unterrichten, kennen uns viele Schülerinnen und Schüler. Sie können sich jederzeit bei uns melden, digital oder persönlich. Wir versuchen, ihnen zu helfen, vom Druck loszukommen, unterstützen wenn nötig andere Wege und erklären auch einmal, dass eine Lehre ein super Start ins Berufsleben und keine Niederlage ist. Ich selber habe eine KV-Lehre gemacht, später auf dem zweiten Bildungsweg Anglistik und Germanistik studiert. Die Anglistik habe ich abgebrochen und auf Theologie umgesattelt. Ich weiss aus Erfahrung, dass das Leben nicht immer gradlinig ist. Ich habe bereits während des Studiums unterrichtet. Mir wurde schnell klar, dass eine gute Beziehungsarbeit das Fundament erfolgreicher Bildung ist. Daher bin ich jetzt sehr glücklich, nebst dem Unterricht 20 % im Foyer zu arbeiten. Ich lese gern, singe als Laien-Solistin in verschiedenen Kirchgemeinden, spiele Querflöte und lerne neu Oboe.