Fragebogen

Andreas Küttel, 46, ehemaliger Skispringer

Welche Eigenschaft war entscheidend, um Weltmeister zu werden?

Mich dauernd verbessern zu wollen.

Wann hat das begonnen?

Mit etwa vier Jahren habe ich vor dem Fernseher die Skispringer imitiert und bin auf dem Glastisch gelandet. Ich habe mir den Kopf aufgeschlagen und musste ins Spital. Seither weiss ich: Wenn ich den perfekten Flug finden will, muss ich konsequent trainieren.

Wie fühlt sich fliegen an?

Ich habe in meiner Karriere etwa 10 000 Sprünge gemacht. Bei 20 bis 30 Sprüngen hat mein Körper alles wie von selbst richtig gemacht. Totale Harmonie mit dem Wind und dem Material. Das war ein Gefühl vollkommener Freiheit. Ich kenne kein vergleichbares Gefühl.

Dies nach dem Rücktritt nie mehr zu erleben, muss ein riesiger Verlust sein.

Als ich meine Karriere beendet habe, war das schon mit Wehmut verbunden!

Welche Bedeutung hatten Rituale?

Alle Sportlerinnen und Sportler haben Rituale. Die letzten zwei, drei Minuten vor dem Sprung waren durchritualisiert, ein genau eingeübter Ablauf, bis ich in der Luft war.

Haben Sie auch gebetet?

Ich habe Gott um Kraft und Schutz gebeten. Auf meinen vielen Reisen habe ich oft Gotteshäuser auch anderer Reli­gionen besucht und dort Stille gefunden. Mein Vater hat mir als Kind gesagt: Glaube an Gott, an dich und an deinen Trainer. Das habe ich beherzigt.

Wie geht es Ihrem Körper nach dem Spitzensport?

Ich achte darauf, dass ich einen sportlichen Körper behalte, weil er ein Teil meiner Identität ist.

Sind Sie immer noch kompetitiv?

Ich wollte der Beste sein. Aber ich hatte auch Freude an einem guten Spiel, selbst wenn ich verlor. Wenn ich Sport mache, gebe ich vollen Einsatz. Ich will mir nicht vorwerfen, ich hätte nicht alles gegeben.

Sind aus den ehemaligen Konkurrenten Freunde geworden?

Wir Schweizer Skispringer waren eine kleine Gruppe im Vergleich zu anderen Länderteams und haben darum zusammengehalten. Gemeinsam mit Simon Ammann haben wir diesen Teamspirit bewusst gepflegt und gelebt, darauf bin ich stolz.