Anno Domini

1859: «Über die Entstehung der Arten»

Als Charles Darwin (1809–1882) im Jahre 1831 mit der «HMS Beagle» in See sticht, ist er noch angehender anglikanischer Pfarrer. Von einer Pfarrstelle erhofft er sich vor allem reichlich Zeit für seine naturwissenschaft­lichen Studien. Die Reise mit der Beagle führt in rund um den Globus und dauert fast fünf Jahre. Statt Pfarrer wird Darwin einer der einflussreichsten Naturforscher der Geschichte. Zwanzig Jahre lang sammelt er Belege für seine damals grundgelegte Theorie von der Anpassung der Lebewesen an ihren Lebensraum durch Variation und Selektion. 1859 fasst er seine Evolu­tionstheorie in seinem Hauptwerk «On the Origin of Spe­cies» zusammen. Obwohl er nicht glauben wollte, «dass die in diesem Bande aufgestellten Ansichten gegen irgendwessen religiöse Gefühle verstossen sollten» waren seine Erkenntnisse für die Kirchen ein Schock. Sie sahen dadurch den Schöpfungsglauben in Frage gestellt. Darwins Buch wurde zwar von der katholischen Kirche nie verboten, aber Forscher, die wie Teilhard de Chardin die Evo­lutionstheorie und den Schöpfungsglauben versöhnen wollten, wurden gemassregelt. Erst 1996 hat die katholische Kirche mit der Evolutionstheorie ihren Frieden geschlossen. Damals erklärte Papst Johannes Paul II., sie sei «mehr als eine Hypothese.»