80 Jahre nach Hiroshima: Papst mahnt zu Friedensbemühungen

Am 6. und 9. August 1945 starben hunderttausende Menschen bei den beiden US-amerikanischen Bombenabwürfen auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Die Erinnerung soll weltweit zum Frieden mahnen.

Gedenkstätte für den ersten kriegerischen Einsatz einer Atombombe in Hiroshima im Friedenspark Hiroshima in Japan.
Gedenkstätte für den ersten kriegerischen Einsatz einer Atombombe in Hiroshima im Friedenspark Hiroshima in Japan.

Angesichts der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 80 Jahren hat Papst Leo XIV. Engagement für einen dauerhaften Frieden gefordert. «Obwohl viele Jahre vergangen sind, bleiben die beiden Städte lebendige Mahnmale für die schrecklichen Gräuel, die Atomwaffen angerichtet haben», schrieb er in einer am Dienstag veröffentlichten Botschaft anlässlich der beiden Jahrestage. Das katholische Kirchenoberhaupt würdigte die Betroffenen der Abwürfe. «Atomwaffen verletzen unsere gemeinsame Menschlichkeit und verraten auch die Würde der Schöpfung, deren Harmonie wir zu bewahren berufen sind», so Leo XIV. weiter.

Wahrer Frieden erfordere den mutigen Verzicht auf Waffen - insbesondere auf solche, die eine unbeschreibliche Katastrophe verursachen können. Der aus den USA stammende Papst rief zur Erschaffung einer globalen Ethik auf, verwurzelt in Gerechtigkeit, Geschwisterlichkeit und Gemeinwohl. «Es ist daher mein Gebet, dass dieser feierliche Jahrestag ein Aufruf an die internationale Gemeinschaft sein möge, ihr Engagement für einen dauerhaften Frieden für unsere gesamte Menschheitsfamilie zu erneuern.»

Atomwaffen verletzen unsere gemeinsame Menschlichkeit und verraten die Würde der Schöpfung.

Durch die beiden US-amerikanischen Bombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 und durch die Strahlenfolgen starben mehrere Hunderttausend Menschen. Viele leiden noch heute unter körperlichen und seelischen Auswirkungen. Die genauen Opferzahlen sind bis heute umstritten, Schätzungen reichen bis zu 350.000 Todesopfern in beiden Städten zusammen.

Die Kathedrale in Nagasaki hat derweil jüngst wieder eine zweite Glocke erhalten. Sie ersetzt das Original, das vor 80 Jahren bei der Atombombenexplosion zerstört wurde, und wird erstmals am 9. August um 11.04 Uhr läuten, dem Zeitpunkt des Bombenabwurfs. Gespendet haben die Glocke katholische Gläubige aus den USA, berichtete am Wochenende der vatikanische Fidesdienst. «Diese neue Glocke ist ein Ruf zum Gedenken an die Opfer und eine Einladung zum Frieden», erklärte der Erzbischof von Nagasaki, Peter Michiaki Nakamura. Dass ausgerechnet US-Bürger die von einer US-Bombe zerstörte Glocke neu gießen liessen und der Kirche schenkten, sei «ein konkretes Zeichen von Vergebung, Versöhnung und Hoffnung».

Für Nakamura ist 2025 ein «Jahr der Hoffnung». Es markiere das 80. Jahr seit Ende des Zweiten Weltkriegs und des Atomangriffs auf Nagasaki - eine Gelegenheit, erneut über Wege zu einer Welt ohne Atomwaffen nachzudenken. Die Diözesen von Nagasaki und Hiroshima arbeiten dafür mit den US-Diözesen Seattle und Santa Fe zusammen.

Kritisch sah Nakamura Japans aktuellen Kurs. «Angesichts der Aufrüstung und des Bildungssystems ist es schwer zu sagen, dass das Land wirklich auf dem Weg des Friedens ist.» Militärische Verteidigungsstellungen in Okinawa, den Nansei-Inseln und Kyushu würden ausgebaut. Junge Menschen hätten oft kein Bewusstsein für die Tragödie des Krieges, und Friedenserziehung bleibe vielfach theoretisch. Die Kirche müsse darauf achten, dass Bildung nicht einseitig werde und Kriegsvorbereitung fördere. «Die Kirche hat die Pflicht, Liebe, Vergebung und Selbsthingabe zu bezeugen - nicht nur mit Worten, sondern im konkreten Lebensstil.»

Während des Zweiten Weltkriegs habe die japanische katholische Kirche nicht den Mut gehabt, klar für den Frieden einzutreten, so Nakamura. Heute aber könne und müsse sie ihre Stimme erheben: «Als Land, das die Atombomben erlebt hat, haben wir eine besondere Verantwortung, Friedensboten zu sein.»

In der Schweiz finden mehrere Gedenkveranstaltungen statt, so etwa am Bahnhofplatz Bern und in Zürich.

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