Pfingsten – wenn der Geist bewegt
Fünfzig Tage nach Ostern feiert die Kirche Pfingsten. Der Name kommt vom griechischen pentēkostē – der «fünfzigste Tag nach Ostern».
Die biblische Erzählung aus der Apostelgeschichte beschreibt eindrücklich, was an diesem Tag geschieht: ein Brausen wie ein Sturm, Feuerzungen, die sich auf die Jünger legen – und plötzlich verstehen Menschen einander über Sprachgrenzen hinweg. Es sind Bilder. Aber sie treffen einen Kern: Etwas soll in Bewegung kommen. Angst wandelt sich in Mut. Verschlossene Räume öffnen sich.
Dieser «Geist» ist nicht einfach Stimmung oder Gefühl. In der biblischen Sprache meint Geist (ruach, pneuma) Atem, Lebenskraft, schöpferische Energie Gottes. Pfingsten sagt: Diese göttliche Lebenskraft wirkt nicht nur am Anfang der Schöpfung – sie wirkt weiter, mitten in der Welt, mitten in der Kirche.
Darum hat Pfingsten mit Kreativität zu tun. Wenn der Mensch als Ebenbild Gottes verstanden wird, dann trägt er gewissermassen Anteil an dieser schöpferischen Dimension. Kreativ zu sein heisst nicht zuerst «künstlerisch begabt» zu sein, sondern: Gestalt geben, Neues ermöglichen, Leben fördern, neue Lebensmöglichkeiten suchen und umsetzen. Der Geist Gottes ist daher eine dynamische Wirklichkeit – er drängt ins Offene, ins Wachsen, ins Verstehen.
Gerade für unsere Kirche ist das entscheidend. Kirche ist nicht einfach Bewahrerin von Formen und Rubriken, sondern lebt davon, dass sie sich immer wieder vom Geist her erneuern lässt. Wo der Geist wirkt, entstehen Verständigung statt Abgrenzung, Mut statt Resignation, Aufbruch statt Stillstand.
Pfingsten erinnert daran: Glaube ist nicht nur Überlieferung – er ist Bewegung.
Oliver Stens
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