Auffahrt – mehr als nur ein Blick nach oben

Vierzig Tage nach Ostern feiert die Kirche Christi Himmelfahrt – im Volksmund «Auffahrt». Doch was geschieht da eigentlich? Sicher: Die biblischen Bilder sprechen davon, dass Jesus «emporgehoben» wird, dass eine Wolke ihn den Blicken entzieht. Aber gemeint ist kein Weltraumstart. Kein physikalisches «Hinauf».

Die Sprache von oben und unten ist eine religiöse Bildsprache. «Oben» steht für Gottes Wirklichkeit – für das, was unser Dasein übersteigt und zugleich trägt. Wenn wir sagen, Christus sei «zum Himmel aufgefahren», dann wollen wir damit sagen: Er ist ganz bei Gott – und gerade deshalb nicht fern, sondern neu gegenwärtig.

Vielleicht spüren wir selbst etwas von dieser Sehnsucht nach «oben». Menschen steigen auf Berge, suchen Weite, Licht, Überblick. Unten ist oft Enge, Last, Unübersichtlichkeit – oben öffnet sich der Horizont. Diese Erfahrung ist mehr als nur körperlich. Sie hat eine innere Dimension: Wir sind auf ein «Mehr» hin angelegt.

Dieses «Mehr» nennt die Theologie Transzendenz – das Hinausgehen über das Sichtbare hinaus, die Ahnung, dass unsere Wirklichkeit nicht bei dem bleibt, was wir messen und greifen können. Es ist kein Sich-selbst-Erhöhen, sondern ein Bezogensein auf Gott hin, der unserem Leben Richtung und Ziel gibt.

Der «Himmel» ist daher kein Ort über den Wolken. Er ist eine Beziehungswirklichkeit: dort, wo Gott ist – und wo der Mensch zur Vollendung kommt. Christi Himmelfahrt sagt: Der Weg Jesu führt in diese göttliche Wirklichkeit hinein. Und: Dieser Weg steht auch uns offen.

So verändert sich auch der Blick auf unser eigenes Leben. Das Fest «Auffahrt» bedeutet nicht Weltflucht, sondern eine neue Perspektive mitten in der Welt. Wer auf Christus schaut, gewinnt Höhe – nicht um abzuheben, sondern um klarer zu sehen: Was trägt? Was hat Bestand? Was führt wirklich zum Leben?

Vielleicht liegt darin die eigentliche Bewegung dieses Festes:

Nicht Jesus entfernt sich von uns – uns wird ein neuer Horizont eröffnet.

Oliver Stens

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