Ostern und die Ostereier

Zu Ostern begegnen sie uns vielerorts: bunt bemalt, im Garten versteckt oder sorgfältig in einem Nest arrangiert. Ostereier gehören für viele selbstverständlich zum Osterfest. Und doch stellt sich die Frage: Warum eigentlich Eier? Was haben sie mit Ostern zu tun – mit Auferstehung und mit unserem Glauben?
Das Ei ist ein schönes Bild für das, was Ostern feiert. Von aussen wirkt das Ei verschlossen und unscheinbar. Eine feste Schale, keine Bewegung, kein sichtbares Leben. Und doch verbirgt sich im Innern die Möglichkeit von neuem Leben. Dort, wo man nur einen toten Gegenstand vermutet, kann plötzlich Leben hervorbrechen. Genau darin liegt die symbolische Kraft des Eies.
Auch Ostern erzählt von einer solchen Erfahrung. Jesus ist tot. Das Grab ist verschlossen. Von Leben keine Spur. Alles scheint entschieden, abgeschlossen, endgültig. Und dann das: Neues Leben entsteht dort, wo niemand mehr damit rechnet.
Wenn ein Küken schlüpft, bleibt die Schale zurück – leer. Ein eindrückliches Bild für Ostern: Das leere Grab. Es ist, als hätte das Leben den Kerker gesprengt und sei ins Offene hinausgetreten.
So ist das Ei weit mehr als Frühlingsdekor. Es wird zu einem kleinen theologischen Statement. Es sagt: Zukunft wächst oft dort, wo alles abgeschlossen erscheint. Auferstehung ist ein Durchbruch in eine neue Wirklichkeit – plötzlich, überraschend und unaufhaltsam.
Dass Eier zu Ostern bunt bemalt werden, hat ebenfalls einen Grund. Farbe steht für Vielfalt, Freude und Hoffnung. Ostern verdrängt Leid und Tod nicht, aber es setzt ihnen etwas entgegen: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Farbe gegen das Dunkel – trotzig und hoffnungsvoll.
Vielleicht ist das der tiefere Sinn der Ostereier: Sie machen Ostern in gewisser Weise alltagstauglich. Sie bringen ein grosses Thema auf Augenhöhe. Man kann sie in die Hand nehmen, suchen, verschenken, teilen. Und dabei – vielleicht ganz nebenbei – mit jener Hoffnung und Freude in Berührung kommen, die aus Ostern erwachsen.
Oliver Stens

Veröffentlicht am