Zum Neuen Jahr
Zeit – ein Geschenk, das wir neu entdecken dürfen
Haben Sie Zeit? – Eine scheinbar einfache Frage, und doch ist sie schwer zu beantworten. Oft habe auch ich den Eindruck, ich müsse Zeit regelrecht suchen oder mir mühsam freihalten. Dabei leben wir in einer Welt, in der so vieles schneller und einfacher geworden ist. Waschmaschine, Computer, Natel – all das soll uns Zeit schenken. Und trotzdem: Wo ist sie geblieben, die gewonnene Zeit?
Wir hetzen von Termin zu Termin, manchmal sogar in der Freizeit. Selbst wer im Ruhestand ist, sagt oft: «Ich habe keine Zeit!» Unsere Gesellschaft ist rastlos geworden. Doch der Mensch braucht Rhythmus, Musse und Unterbrechung – wie es schon der weise Kohelet sagte: «Alles hat seine Stunde, für jedes Geschehen gibt es eine bestimmte Zeit.»
Ich erinnere mich an die Geschichte vom Schüler, der seinen Meister fragte, warum dieser immer so ruhig sei. Der Meister antwortete: «Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich.» – «Aber das tue ich auch!», sagte der Schüler. «Nein», entgegnete der Meister, «wenn du sitzt, dann stehst du schon; wenn du stehst, dann gehst du schon; wenn du gehst, bist du schon am Ziel.»
Wie wahr: Oft sind wir gedanklich schon beim Nächsten, anstatt im Jetzt zu leben. Vielleicht wäre das ein guter Vorsatz fürs neue Jahr: sich wieder bewusst Zeit zu nehmen – für Gott, für das Gebet, für die Familie, für Freunde und für sich selbst. Denn wer liebt, braucht Zeit.
Möge es uns im neuen Jahr gelingen, die Zeit als das zu entdecken, was sie ist: ein Geschenk Gottes.
Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gutes, segensreiches 2026.
Andreas Egli, Pfr. admin. a. i.
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