Interview mit Caesar Pelloli

„Kirche ist für mich Heimat“

Im Gespräch mit Caesar Pelloli

Wann und wie hat Ihr Weg in unsere(r) Pfarrei begonnen?

Ich bin 1981 von Thalwil nach Birmensdorf gezogen. Damals hatte ich bereits zwei kleine Töchter, beide drei Jahre alt. 1982 wurde dann unser Sohn geboren. Heute habe ich drei Kinder und vier Enkelkinder.

1990 wurde ich angefragt, ob ich im Pfarreirat mitarbeiten möchte. Ich sagte damals, dass ich mir eher eine Aufgabe in der Kirchenpflege vorstellen könnte. So begann mein achtjähriges Engagement in der Kirchenpflege, von 1990 bis 1998.

Was hat Sie damals motiviert, Verantwortung in der Kirche zu übernehmen?

Ich habe mich schon immer gerne engagiert und wollte nicht einfach zuschauen, sondern mitgestalten. Während meiner Zeit in der Kirchenpflege durfte ich viele verschiedene Aufgaben übernehmen.

Ich vertrat die katholische Kirchgemeinde in der Betriebskommission des Gemeindezentrums Brühlmatt, wo Gemeinde, reformierte und katholische Kirche gemeinsam Verantwortung tragen. Gleichzeitig war ich Mitglied der Jugendkommission und begleitete viele Projekte rund um das Jugendzentrum. Dort verbrachte ich unzählige Abende im Einsatz für die Jugendlichen.

Ein besonderes Highlight war ein Pfarreiprojekt in der Slowakei. Was ist Ihnen davon besonders in Erinnerung geblieben?

Unsere Pfarrei unterstützte damals den Aufbau eines Heimes in Lipany in der Slowakei. Natürlich stellten sich viele Fragen: Kommt das Geld wirklich dort an, wo es gebraucht wird?

Deshalb reisten unser damaliger Pfarrer Hubert Zimmermann und ich 1995 selbst in die Slowakei. Diese Reise hat mich tief beeindruckt. Die Menschen lebten bescheiden, waren aber unglaublich herzlich und voller Glauben. Die Kirchen waren bis auf den letzten Platz gefüllt, viele Menschen standen sogar draussen.

Diese Begegnungen bleiben für mich bis heute unvergesslich.

Sie waren später auch Mitglied der Synode der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Wie kam es dazu?

Von 2015 bis 2023 durfte ich unsere Kirchgemeinde in der Synode vertreten. Gleichzeitig war ich von Anfang an Mitglied der Geschäftsleitung der Synode.

Die Synode ist vergleichbar mit einem Kantonsparlament. Dort geht es einerseits um kirchliche Themen, andererseits aber auch um Finanzen, Gesetzgebungen und die Verantwortung gegenüber den Kirchgemeinden.

Ich habe diese Aufgabe sehr gerne übernommen. In meinen aktivsten Jahren hatte ich bis zu 45 Sitzungen pro Jahr.

Welche Themen lagen Ihnen besonders am Herzen?

Es waren vor allem zwei Bereiche.

Zum einen beschäftigten mich die kirchlichen Fragen, insbesondere der Umgang mit den Missbrauchsfällen und die Zusammenarbeit mit dem Bistum.

Zum anderen waren es finanzielle Fragen: Wie werden die Mittel verteilt? Welche Projekte werden unterstützt? Wie können wir verantwortungsvoll mit den Kirchensteuern umgehen?

Ich habe beide Bereiche als sehr spannend erlebt.

Sie haben verschiedene Bischöfe und Generalvikare erlebt. Welche Erinnerungen verbinden Sie damit?

Während meiner Zeit in der Synode durfte ich viele Persönlichkeiten kennenlernen.

Mit Bischof Joseph Maria Bonnemain verbinde ich besonders positive Erfahrungen. Ich habe ihn immer als offen, nahbar und unkompliziert erlebt. Auch die Zusammenarbeit mit Generalvikar Luis Varandas war stets sehr angenehm.

Diese persönlichen Begegnungen haben mir gezeigt, wie wichtig gegenseitiger Respekt und der direkte Austausch sind.

Welche Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft haben Sie besonders geprägt?

Die Missbrauchsfälle haben die Kirche tief erschüttert. Das beschäftigt mich bis heute. Ich finde es wichtig, dass wir alles tun, damit solche Dinge nie mehr geschehen können.

Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sich die Kirche in manchen Bereichen weiterentwickelt – besonders in Bezug auf die Rolle der Frauen. Viele Veränderungen sind nicht allein auf diözesaner Ebene möglich, weil letztlich Rom entscheidet. Trotzdem hoffe ich, dass die Kirche Schritt für Schritt offener wird.

Gab es weitere Ereignisse, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Ja. Tief bewegt hat mich auch der plötzliche Tod unseres damaligen Pfarrers Hubert Zimmermann, der bei einer Bergtour tödlich verunglückte.

Kurz davor hatte er bereits mit Thomas und Petra Leist vereinbart, nach Birmensdorf zu kommen. Nach seinem Tod war unklar, ob sie trotzdem kommen würden. Dass sie sich dennoch entschieden haben, ihren Dienst hier anzutreten, war für unsere Pfarrei ein grosses Geschenk.

Was bedeutet Kirche persönlich für Sie?

Kirche ist für mich Heimat.

Der Gottesdienst am Sonntag schenkt mir Zeit für Gott, aber auch Zeit für mich selbst. Diese Stunde der Ruhe und Besinnung gehört für mich einfach dazu.

Vor allem aber lebt Kirche von den Menschen. Die Gemeinschaft ist das Wertvollste.

Wie hat sich unsere Pfarrei in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Es ist schade, dass heute weniger Menschen die Gottesdienste besuchen als früher.

Gleichzeitig freue ich mich, dass es weiterhin einen engagierten Kern von Menschen gibt, die Verantwortung übernehmen und das Pfarreileben tragen.

Eine grosse Herausforderung bleibt für mich die Begleitung der Jugendlichen. Nach der Firmung verlieren viele den Bezug zur Kirche. Bis heute habe ich niemanden kennengelernt, der dafür ein wirklich überzeugendes Rezept gefunden hätte.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft unserer Pfarrei und der Kirche?

Ich wünsche mir eine Kirche, die offen bleibt und sich weiterentwickelt, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.

Vor allem wünsche ich mir, dass Frauen ihre Berufung noch stärker einbringen können und dass die Kirche den Mut findet, über bestehende Strukturen nachzudenken.

Für unsere Pfarrei wünsche ich mir, dass möglichst viele Menschen entdecken, wie bereichernd Gemeinschaft sein kann.

Welchen Rat möchten Sie jüngeren Generationen mitgeben?

Hört den Menschen zu.

Wer Verantwortung übernimmt, sollte zuerst zuhören, bevor Entscheidungen getroffen werden. Gute Lösungen entstehen im gemeinsamen Gespräch.

Wofür sind Sie besonders dankbar, wenn Sie auf Ihren Weg zurückblicken?

Für die vielen schönen Begegnungen.

Ich durfte unglaublich viele engagierte Menschen kennenlernen. Kirche lebt nicht von Gebäuden oder Strukturen, sondern von den Menschen, die sich mit Herz einsetzen.

Dafür bin ich sehr dankbar.

Was möchten Sie unserer Pfarrei zum Jubiläum mit auf den Weg geben?

Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen den Mut haben, einfach einmal vorbeizukommen und mitzumachen.

Wer sich auf Gemeinschaft einlässt, entdeckt oft erst dann, wie viel Freude Kirche schenken kann. Dieses Miteinander wünsche ich unserer Pfarrei auch für die kommenden Jahre von Herzen.

Interview: Marta Novak, Juni 2026
für das Jubiläumsprojekt „50 Jahre katholische Kirche Birmensdorf»

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