„Mit Freude säen, damit etwas wachsen kann“
Seit wann sind Sie mit unserer Pfarrei verbunden und wie hat alles für Sie begonnen?
Ja, das sind inzwischen mehr als 25 Jahre. Angefangen hat alles ganz spontan. Eine Freundin von mir war bereits im HGU tätig, und damals gab es noch sogenannte Plausch-Nachmittage. Sie haben jemanden gesucht, und sie hat mich einfach gefragt: „Möchtest du nicht einmal kommen?“
Und ich habe gesagt: „Oh ja, das wäre schön. Ich würde gerne einmal mit Kindern arbeiten.“ So bin ich dazugekommen und habe Petra kennengelernt. Sie hat sofort gesagt, ich wäre geeignet für den HGU – und so hat alles begonnen.
Hatten Sie schon vorher einen Bezug zur Religion oder zur Arbeit mit Menschen?
Ja, ich habe damals Religion studiert. Das wissen viele gar nicht. Zusätzlich habe ich eine Ausbildung als Atemtherapeutin und im psychologischen Bereich gemacht und hatte eine eigene Praxis.
Ich habe aber immer sehr gerne mit Kindern gearbeitet – es hat sich einfach nie ergeben. Und als dann diese Anfrage kam, habe ich meine Praxis aufgegeben, alles abgebrochen und mich ganz dieser Aufgabe gewidmet.
Das war für mich überhaupt keine schwierige Entscheidung. Ich habe Kinder immer sehr gern gehabt, und damals gab es auch noch nicht so viele Möglichkeiten. Für mich war das ganz klar.
In welchem Bereich haben Sie sich besonders engagiert?
Ich habe im HGU gearbeitet. Die Meditation ist erst später dazugekommen, vielleicht etwa 20 Jahre später.
Am Anfang musste ich zuerst einmal schauen, ob das überhaupt passt in dieser Pfarrei. Damals war Meditation noch etwas Esoterisches, die Leute waren nicht so offen. Aber Petra hat mich sehr unterstützt, und so konnte sich das entwickeln.
Heute haben viele Pfarreien so etwas – damals waren wir eher Pionierinnen.
Woher kommen Sie ursprünglich und wie sind Sie nach Birmensdorf gekommen?
Ich bin im Kanton Solothurn geboren und bin nach Zürich arbeiten gegangen. Mein Mann war Lehrer, und wir haben lange keine Wohnung gefunden – ausser in Birmensdorf.
So sind wir hierhergekommen, eigentlich ganz zufällig. Wir haben gar nie geplant, hier zu wohnen.
Welche Erinnerungen oder Momente aus dieser Zeit sind Ihnen besonders im Herzen geblieben?
Die wunderbaren Gottesdienste mit den Kindern – das ist etwas ganz Besonderes. Und wir HGU-Frauen waren ein wirklich tolles Team.
Wir waren sehr kreativ und haben so viele schöne Sachen gemacht. Aber das Schiff, das ihr jetzt gemacht habt, das sprengt wirklich alles – das ist wunderbar. Ich habe es nur auf Facebook gesehen, aber es hat mich sehr berührt.
Wie war der HGU damals organisiert?
Eigentlich war HGU ja als Heimgruppenunterricht gedacht – also zu Hause. Aber das war oft schwierig zu organisieren. Deshalb haben wir dann Räume genutzt, zum Beispiel hier in Birmensdorf oder auch an anderen Orten.
Wir haben auch Informationsmorgen für die Eltern gemacht. Früher waren das Abendveranstaltungen, aber die waren nicht gut besucht. Ich habe dann vorgeschlagen, das am Samstagmorgen zu machen und bewusst auch die Väter einzuladen.
Viele haben gesagt: „Die Väter kommen nicht.“ Aber wir haben es ausprobiert – und es war ein grosser Erfolg. Die Eltern, auch die Väter, haben sehr engagiert mitgemacht.
Sie haben viel mit Symbolen gearbeitet. Können Sie davon erzählen?
Ja, jedes Jahr hatten wir ein Symbol, das uns durch das ganze Jahr begleitet hat.
Einmal haben wir aus Schachteln kleine Häuser gebastelt, jedes Kind hatte ein eigenes Fenster. Wenn das Kind kam, hat es seinen Fensterladen geöffnet – so wusste man: Das Kind ist da.
Ein anderes Mal haben wir grosse Muscheln gemacht – jedes Kind war eine Perle. Oder den Regenbogenfisch.
Diese Symbole haben die Kinder durch das ganze Jahr begleitet. Sie konnten etwas gestalten, etwas anfassen, etwas mit nach Hause nehmen. Das war sehr wichtig.
Was hat Ihnen dieses Engagement persönlich bedeutet?
Sehr viel. Es war nachher fast mein ganzes Leben.
Ich habe viele Menschen kennengelernt. Dort, wo ich gewohnt habe, war ich eher isoliert – aber hier in der Pfarrei war alles offen und familiär. Das war für mich eine wunderbare Erfahrung.
Ich habe mich hier sehr glücklich gefühlt.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft unserer Pfarrei und für die kommenden Generationen?
Ich habe immer gesagt: Das, was wir einpflanzen, wird irgendwann blühen.
Und genau das wünsche ich mir – dass das, was wir gesät haben, weiterwächst. Dass man den Glauben auf eine spielerische Weise weitergibt und nicht einfach streng sagt: „Jetzt gehen wir beten.“
Kinder wissen oft noch gar nicht, was das heisst. Aber sie können lernen, Freude zu erleben, Frieden zu leben, Danke zu sagen und miteinander unterwegs zu sein.
Das sind die Dinge, die bleiben. Und wenn wir das schaffen, dann haben wir schon sehr viel erreicht.
Abschliessende Worte
Ich glaube, dass unsere Pfarrei heute so lebendig ist, weil sie von Menschen vor uns mit viel Liebe und Freude aufgebaut wurde.
Dafür bin ich sehr dankbar – und ich wünsche mir, dass wir genau das weitertragen. Damit auch die nächsten Generationen spüren: Hier sind wir zuhause. ✨
(Das Interview mit Marina Schilling wurde Mitte April 2026 von Marta Novak gemacht)
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