Marienmonat Mai

Der Mai wird oft als Marienmonat bezeichnet. Schon im Mittelalter gab es Maiandachten. Sie sollten frühere heidnische Maifeiern christlich umdeuten. Im katholischen Oberbayern, wo ich aufgewachsen bin, spielt Maria eine wichtige Rolle. Maiandachten werden den ganzen Monat über gefeiert, sei es in Kirchen oder in kleinen Kapellen. Hier im reformierten Kanton Zürich ist das anders. Spreche ich mit jungen Frauen unserer Pfarrei, so erzählen sie, dass sie zu Maria eigentlich keine Beziehung haben. Zwar werden gerne Kerzen vor der Marienstatue angezündet. Aber religiöse Gepflogenheiten wie Rosenkranzbeten geraten immer mehr in Vergessenheit. Eine solche Volksfrömmigkeit ist vielen Menschen heute fremd geworden. Vielleicht auch deswegen, weil von der Kirche lange ein Marienbild idealisiert wurde, welches von Gehorsam, Demut und Reinheit bestimmt war und Maria als Gegensatz zur sündigen Eva zeichnete. Dieses Bild hat kaum noch etwas mit der Lebenswirklichkeit moderner Frauen zu tun. Aber Maria hat uns viel mehr zu sagen und die Bibel zeigt uns andere Bilder von ihr. Sie war schwanger ohne Ehemann, bekam ihr Kind in einem Stall und musste fliehen. Ihr war keine Sorge fremd und gerade deshalb wenden sich viele mit ihren Problemen an Maria wie an eine gute Mutter. Auch ich konnte als junge Frau nicht viel mit Maria anfangen. Erst mit dem Älterwerden kam sie mir näher. In Erinnerung sind mir die Worte meiner Mutter, die mir einmal sagte: „Maria kann ich alles anvertrauen. So von Frau zu Frau“. Jetzt erfahre ich in meinem Glauben Maria als mütterliche Freundin. Sie drängt sich nicht auf. In ihrem zärtlichen und fürsorglichen Wesen, in ihrem Mut und ihrer Treue zu Jesus entdecke ich eine Facette des Glaubens, die sich mir ohne Maria nicht erschliessen würde. Als hilfreiche Fürbitterin unterstützt sie unsere Gebete und Bitten, nicht nur im Mai, sondern immer.
Petra Kreuzer

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